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Grundlagen
Isoniazid ist ein Antibiotikum, welches zur Behandlung einer Infektion mit Mykobakterien (Tuberkulose-Bakterien) eingesetzt wird. In Kombination mit anderen antimykobakteriellen Arzneistoffen wird damit am häufigsten eine Tuberkulose behandelt.
Obwohl der Wirkstoff bereits 1912 synthetisiert wurde, erkannte man die die antibiotische Wirkung erst nach dem 2. Weltkrieg und der Arzneistoff wurde Anfang der 50er Jahre auf den Markt gebracht.
Da es während der Therapie zu einem Mangel an Vitamin B6 kommen kann, sollte das Antibiotikum zusammen mit einem Vitamin B6-Präparat verabreicht werden, um neurologischen Begleiterscheinungen entgegenzuwirken.
Pharmakologie
Pharmakodynamik
Isoniazid wirkt bei sich schnell vermehrenden Mykobakterien bakterizid (abtötend), und bei sich langsam vermehrenden bakteriostatisch (wachstumhemmend). Das Antibiotikum wird als inaktive Vorstufe verabreicht und muss zunächst durch das bakterielle Enzym KatG aktiviert werden. Statt der Nicotinsäure wird nun die aktive Isonicotinsäure in den Cofaktor NAD eingebaut. Dadurch wird die Synthese von Mykolsäuren gehemmt, welche einen wesentlichen Bestandteil der Bakterienzellwand ausmachen.
Während der Behandlung greift der Wirkstoff in den körpereigenen Pyridoxin (Vitamin B6)-Stoffwechsel ein, wodurch der Aufbau bzw. die Bildung von Neurotransmittern wie GABA, Serotonin oder Catecholaminen beeinflusst wird.
Isoniazid sollte nur in Kombination mit anderen Arzneistoffen eingesetzt werden, da der antimykobakterielle Wirkstoff bei alleiniger Therapie schon nach zwei bis drei Monaten eine 46-89%ige Resistenz und nach sechs bis acht Monaten eine praktisch 100%ige Resistenz der Erreger ausbildet.
Pharmakokinetik
Isoniazid wird nach der oralen Verabreichung hauptsächlich im Dünndarm resorbiert. Die Aufnahme und Bioverfügbarkeit des Wirkstoffes verringern sich bei gleichzeitiger Einnahme mit der Nahrung, daher sollte das Medikament nüchtern in einer Einzeldosis eingenommen werden.
Der Stoffwechsel findet primär in der Leber statt, wo Isoniazid durch Acetylierung und Hydrolyse zu inaktiven Zwischenprodukten abgebaut wird. Die genetisch festgelegte Geschwindigkeit, mit der das Antibiotikum acetyliert wird, bestimmt die Plasmakonzentration sowie die Halbwertszeit. Letztere beträgt je nach Acetylierungsrate 0,5-1,6 Stunden bzw. 2-5 Stunden.
Der Großteil einer Isoniazid-Dosis wird innerhalb eines Tages mit dem Urin ausgeschieden.
Kontraindikationen
Isoniazid sollte nicht bei Überempfindlichkeiten, Erkrankungen des peripheren Nervensystems, schweren Blutungsneigungen und Leberfunktionsstörungen (Hepatitis, Leberzirrhose) angewendet werden.
Wechselwirkungen
Wechselwirkungen können bei Arzneimitteln wie Barbituraten, Phenytoin, Carbamazepin, Primidon, Rifampicin, Valproinsäure, Paracetamol, Ketoconazol, Theophyllin, Disulfiram und Levodopa auftreten.
Während der Einnahme sollten histamin- und thyraminhaltige Lebensmittel sowie Alkohol vermieden und die Koffeinaufnahme eingeschränkt werden.
Isoniazid sollte getrennt von Antazida (Magensaftneutralisierende Medikamente) eingenommen werden.
Toxizität
Nebenwirkungen
Zu den Nebenwirkungen gehören:
- Hautausschläge, Juckreiz
- Muskelzittern
- Erhöhte Leberwerte
- Hepatitis (Leberentzündung)
- Gastrointestinale Störungen (u.a. Durchfall, Verstopfung, Erbrechen)
- Störungen des peripheren Nervensystems (bei einer Einnahme ohne Vitamin B6)
Toxikologische Daten
LD50 (Mensch, oral): 100 mg/kg

Autor
Markus Falkenstätter, BSc
Student der Pharmazie
Markus Falkenstätter ist Autor zu pharmazeutischen Themen in der Medizin-Redaktion von Medikamio. Er befindet sich im letzten Semester seines Pharmaziestudiums an der Universität Wien und liebt das wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Naturwissenschaften.

Lektor
Mag. pharm. Stefanie Brandauer
Pharmazeutin
Stefanie Brandauer ist seit 2020 freie Autorin bei Medikamio und studierte Pharmazie an der Universität Wien. Sie arbeitet als Apothekerin in Wien und ihre Leidenschaft sind pflanzliche Arzneimittel und deren Wirkung.
Redaktionelle Grundsätze
Alle für den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von geprüften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universitäten). Dabei legen wir großen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.