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Lithium ist ein Wirkstoff, der zur Behandlung von manischen Episoden bei bipolaren Störungen eingesetzt wird.
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Grundlagen
Lithium ist ein Wirkstoff, der zur Behandlung von manischen Episoden bei bipolaren Störungen eingesetzt wird. Lithium kommt in Medikamenten in unterschiedlicher Form vor, meistens aber in Form von Lithiumcarbonat, Lithiumcitrat, Lithiumsulfat oder Lithiumacetat. Es gehört zur Gruppe der Antipsychotika und Stimmungsstabilisierer. Lithiumcarbonat liegt als weißes Pulver vor. Lithium gehört im Periodensystem (PSE) zu den Alkalimetallen und besitzt die Ordnungszahl 3. Lithium ist ein Leichtmetall und ist in der 2. Periode des PSE auffindbar.
Wirkung
Lithium wird zur Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen - allen voran der bipolaren Störung - eingesetzt. Als Stimmungsstabilisierer kann es sowohl zur Behandlung von Manien als auch bei Depressionen eingesetzt werden.
Im Gegensatz zu anderen Psychopharmaka ruft Lithium bei gesunden Menschen keinen Effekt hervor. Lithium kann auch zur Verstärkung von Antidepressiva verwendet werden.
Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht geklärt. Es wird aber davon ausgegangen, dass Lithium aufgrund seiner geringen Größe Kalium-, Natrium- und Calciumkanäle besetzen kann und diese vor allem in neuronalen Enzymen oder Neurotransmitter-Rezeptoren blockieren kann. Die vorherrschende Hypothese in der Wissenschaft ist, dass Lithium bei den Glutamatrezeptoren wirkt. Man glaubt, dass Lithium Ein- und Ausströme von Glutamatrezeptoren - insbesondere GluR3 - verändert, ohne dass sich das Umkehrpotential verschiebt. Lithium soll die Menge an Glutamat zwischen den einzelnen Neuronen konstant halten, also weder zu groß, noch zu klein. Es wird nämlich vermutet, dass zu viel Glutamat für Manien und zu wenig Glutamat für Depressionen verantwortlich ist.
Lithium wird unverändert über die Nieren im Harn ausgeschieden. Lithium ist nicht an Plasmaproteine gebunden. Da der Lithiumspiegel im Blut nur sehr minimale Schwankungen verträgt, sollten regelmäßige Blutkontrollen durchgeführt werden, um den Lithiumspiegel konstant zwischen 0,5 mmol/L und 1,2 mmol/L zu halten. Lithiumspiegel ab 3 mmol/L können lebensgefährlich sein. Die Halbwertszeit, also die Zeit, die der Körper benötigt, um die Hälfte des Wirkstoffes auszuscheiden, beträgt ca. 24 Stunden.
Dosierung
Nehmen Sie Lithium immer genau wie in der Packungsbeilage beschrieben bzw. genau nach Absprache mit Ihrem Arzt ein.
Die übliche empfohlene Dosis liegt bei Erwachsenen und Kindern ab 12 Jahren bei 1800 mg pro Tag.
Die Erhaltungsdosis bei der Langzeitanwendung liegt bei 900 - 1200 mg pro Tag.
Bei Personen über 65 Jahren sollte eine niedrigere Dosis verschrieben werden.
Nebenwirkungen
Es kann zu folgenden Nebenwirkungen kommen:
- Zittern
- vermehrte Harnausscheidung
- Durst
- Übelkeit
Die oben genannten Nebenwirkungen sind zumeist am Anfang vorhanden und klingen meist nach einiger Zeit ab.
Weitere Nebenwirkungen können sein:
Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen:
- unregelmäßiger oder langsamer Puls
- niedriger Blutdruck
- kalte Hände und Füße (Raynaud-Syndrom)
- Kreislaufkollaps
- EKG-Veränderungen
Erkrankungen des Nervensystems:
- Zittern
- Muskelzuckungen
- Bewegungsstörungen
- unwillkürliche Bewegungen der Arme und Beine
- verlangsamte Bewegungen
- Verkrampfungen
- Schwindel
- Benommenheit
- Augenzittern
- Kopfschmerzen
- verwaschene Sprache
- Krampfanfälle
- entzündliche Gehirnschwellungen
- Starre
- Koma
- Muskelschwäche
- verminderte Nervenleitgeschwindigkeit
- periphere Neuropathie
Erkrankungen der Haut:
- teilweiser Haarverlust
- Akne
- Haarwurzelentzündungen
- Juckreiz
- Verschlechterung einer Schuppenflechte (Psoriasis)
- Schwellungen von Haut und Schleimhaut
- Ausschlag
- Überempfindlichkeitsreaktionen
- Eruptionen an der Haut oder Schleimhaut
Erkrankungen des Hormonsystems:
- Funktionsstörungen von Schilddrüse und Nebenschilddrüse
- Vergrößerung der Schilddrüse (Hyperthyreose)
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts:
- Appetitlosigkeit
- Übelkeit und Erbrechen
- Durchfall
- Magenschleimhautentzündungen
- übermäßige Speichelproduktion
- trockener Mund
Erkrankungen des Blutes:
- Zunahme der weißen Blutkörperchen (Leukozytose)
Erkrankungen des Stoffwechsels:
- Blutzuckerzunahme
- Zunahme von Serumkalzium
- Gewichtszunahme
Erkrankungen der Skelettmuskulatur, des Bindegewebes und der Knochen:
- Gelenkschmerzen
- Muskelschmerzen
- Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme)
Psychiatrische Erkrankungen:
- Halluzinationen
- Schläfrigkeit
- Erinnerungsverlust
Erkrankungen der Niere:
- vermehrtes Urinieren
- Harninkontinenz
- eingeschränkte Nierenfunktion
- akutes Nierenversagen
- Nierentumore (bei Langzeitbehandlung)
Erkrankungen der Geschlechtsorgane:
- sexuelle Störungen
- Impotenz
Erkrankungen der Sinnesorgane:
- Gesichtsfeldausfälle
- verschwommenes Sehen
- Geschmacksempfindungsstörungen
Wechselwirkungen
Bei gleichzeitiger Einnahme von folgenden Arzneimitteln können Wechselwirkungen auftreten:
- Metronidazol
- Nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAR)
- Medikamente zur Behandlung von Bluthochdruck oder Herzschwäche
- Mittel zur Entwässerung
- Empagliflozin
- Dapagliflozin
- Harnstoff (Urea)
- Xanthine (z.B. Koffein)
- Natriumbicarbonat
- Neuroleptika
- Carbamazepin
- Methyldopa
- Mittel zur Behandlung von Depressionen
- Calciumkanalblocker
Gegenanzeigen
Lithium darf in folgenden Fällen NICHT eingenommen werden:
- bei einer Allergie gegen Lithium
Altersbeschränkung
Lithium sollte aufgrund fehlender Erfahrungsberichte unter 12 Jahren NICHT eingenommen werden.
Bei Personen über 65 Jahren sollte eine niedrigere Dosis verschrieben werden.
Schwangerschaft & Stillzeit
Schwangerschaft
In der Schwangerschaft sollte Lithium NICHT eingenommen werden, außer Ihr Arzt ist der Meinung, dass die Einnahme zwingend erforderlich ist. Lithium hat eine schwach fruchtschädigende (teratogene) Wirkung, das heißt, dass es bei Ungeborenen zu Fehlbildungen kommen kann.
Im 1. Schwangerschaftsdrittel hat sich in Forschungsergebnissen herauskristallisiert, dass es zu Herzfehlbildungen (Ebstein-Anomalie) kommen kann. Das ist eine Fehlbildung der Segel der Trikuspidalklappe im Herzen. In neueren Studien wurde festgestellt, dass das Fehlbildungsrisiko von der Dosierung abhängig ist.
Im 2.&3. Schwangerschaftsdrittel kann es nach Einnahme von Lithium nach der Geburt zu Anpassungsstörungen des Neugeborenen kommen. Es kann zu Herzrhythmusstörungen, sowie Atemstörungen oder Temperraturregulationsstörungen beim neugeborenen Baby kommen. Eine Geburt in einer Klinik mit Neonatologie ist daher zwingend erforderlich. Außerdem kann es noch während der Schwangerschaft zu einer Schilddrüsenunterfunktion und zum Diabetes insipidus (Zuckerkrankheit beim Fötus) beim noch Ungeborenen kommen.
Wenn es trotzdem zur Lithiumeinnahme in der Schwangerschaft gekommen ist, sollte das ungeborene Baby engmaschig mittels Ultraschall beobachtet werden.
Als Alternative bei bipolaren affektiven Erkrankungen könnten atypische Antipsychotika, wie z.B. Quetiapin, zur Anwendung kommen.
Stillzeit
In der Stillzeit sollte Lithium NICHT eingenommen werden. Lithium tritt in die Muttermilch. Plasmakonzentrationsmessung ergaben, dass die Konzentration in Säuglingen bis zu 58% von der der Mutter ausmachen können. Dadurch kann es zu zahlreichen Wirkungen und Nebenwirkungen beim Säugling kommen. Im Einzelfall kann in Absprache Ihres Arztes eine Lithiumtherapie trotz Stillens fortgeführt werden. Dies erfordert jedoch eine sehr geringe mütterliche Lithium Dosis und eine sehr strenge kindliche Überwachung beim Kinderarzt mit eventuellen regelmäßigen Blutkontrollen des Säuglings.
Geschichte zum Wirkstoff
Schon im Jahre 1850 wurde Lithium als Medikament eingesetzt, und zwar gegen Gicht. Dies hat sich aber als unwirksam herausgestellt, es wurde aber weiter geforscht, bis 1949 der australische Psychiater John Cade ein mögliches Anwendungsgebiet beschrieb. Er testete Lithium an Meerschweinchen aus und bemerkte eine deutliche Veränderung im Verhalten der Tiere.
John Cade versuchte sich danach selbst das Leben zu nehmen, woraufhin in den Jahren 1952-1954 Lithium als Medikament zur Behandlung von Depressionen, Schizophrenie und Manie in einem Krankenhaus in Dänemark untersucht wurde.

Autor
Thomas Hofko
Student der Pharmazie
Thomas Hofko befindet sich im letzten Drittel seines Bachelorstudiums der Pharmazie und ist Autor und Lektor für pharmazeutische Themen. Er interessiert sich besonders für die Bereiche Klinische Pharmazie und Phytopharmazie.

Lektor
Mag. pharm. Stefanie Brandauer
Pharmazeutin
Stefanie Brandauer ist seit 2020 freie Autorin bei Medikamio und studierte Pharmazie an der Universität Wien. Sie arbeitet als Apothekerin in Wien und ihre Leidenschaft sind pflanzliche Arzneimittel und deren Wirkung.
Redaktionelle Grundsätze
Alle für den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von geprüften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universitäten). Dabei legen wir großen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
