Inhalt
Distigmin ist ein Wirkstoff zur Behandlung von neurogenen Blasenentleerungsstörungen, von chronischer Verstopfung und der Myasthenia gravis.
Anzeige
Grundlagen
Distigmin ist ein Wirkstoff zur Behandlung von neurogenen Blasenentleerungsstörungen, von chronischer Verstopfung und der Myasthenia gravis. Er ist ein indirekt parasympathomimetischer Wirkstoff und gehört zur Gruppe der Cholinesterasehemmer. Es ist ein Carbaminsäure Derivat und liegt meist als Distigminbromid vor.

Wirkung
Distigmin wirkt, indem es das Enzym Acetylcholinesterase hemmt. Dieses Enzym ist für die Spaltung von Acetylcholin zu Acetat und Cholin verantwortlich. Distigmin unterbindet diese Spaltung. Dadurch erhöht sich die Konzentration von Acetylcholin im synaptischen Spalt und die Wahrscheinlichkeit einer Muskelkontraktion nimmt zu. Dies wirkt sich vor allem positiv auf die Schließmuskel der Harnblase und des After aus, wodurch man die therapeutischen Effekte bei Harninkontinenz sowie bei chronischer Verstopfung erklären kann. Bei der Myasthenia gravis wird ebenfalls die Wahrscheinlichkeit einer Muskelkontraktion erhöht.
Die Bioverfügbarkeit, also zu wie viel Prozent der Wirkstoff im Blut verfügbar ist, liegt bei weniger als 5%. Die Halbwertszeit, also die Zeit, die der Körper benötigt, um die Hälfte des Wirkstoffes auszuscheiden, liegt bei ca. 69 Stunden. Distigmin gelangt nicht über die Blut-Hirn-Schranke.
Dosierung
Nehmen Sie Distigmin immer genau wie in der Packungsbeilage beschrieben bzw. genau nach Absprache mit Ihrem Arzt ein.
Die übliche empfohlene Dosis bei Erwachsenen beträgt 5 mg pro Tag.
Da Distigmin jedoch sehr individuell einzunehmen ist, ist das nur ein Richtwert.
Nebenwirkungen
Es kann zu folgenden Nebenwirkungen kommen:
Sehr häufig:
- verlangsamte Herztätigkeit
- Durchfall
- Übelkeit und Erbrechen
- Schwitzen
Häufig:
- Pupillenverengung
- verstärkter Tränenfluss
- vermehrter Speichelfluss
Gelegentlich:
- Akkommodationsstörungen
- verschwommenes Sehen
- niedriger Blutdruck
- verstärkte Schleimbildung
- Bauchkrämpfe
- verstärkte Darmbewegungen
- Unterbauchschmerzen
- Harninkontinenz
Selten:
- unregelmäßige lebensbedrohliche Herztätigkeit
- Atemnot
- Schluckstörungen
- Muskelzuckungen
- Muskelkrämpfe
- Muskelschwäche, die im Extremfall zu Lähmungen führen kann
- Schwindel
- Benommenheit
- Kopfschmerzen
- Sprachstörungen
- Hautausschlag
- Menstruationsstörungen
Sehr selten:
- Vorhofflimmern
- Schmerzen im Brustraum
- Herzstillstand
- Atemschwierigkeiten bei Menschen, die an Muskeldystrophie leiden
- allergische Reaktionen
- Angstgefühle
- Depressionen
- Reizbarkeit
- Halluzinationen
- Unruhe
- Krampfanfälle
- Lähmungen
Wechselwirkungen
Keine Wechselwirkungen bekannt.
Gegenanzeigen
Distigmin darf in folgenden Fällen NICHT eingenommen werden:
- bei Allergie gegen Distigmin
- beim mechanischen Darmverschluss
- bei Verengungen oder Krampfzustandes des Darms, der Gallen- oder Harnwege
- bei Bronchialasthma
- bei Regenbogenhautentzündung
- bei Myotonie
- bei Morbus Parkinson
- bei Überschuss von Schilddrüsenhormonen
- bei dekompensierter Herzinsuffizienz
- bei frischem Herzinfarkt
- bei Herzrhythmusstörungen
- bei verlangsamtem Puls
- bei AV-Block
- bei schweren postoperativen Schock
- bei schwerer Kreislaufschwäche
Schwangerschaft & Stillzeit
In der Schwangerschaft sollte Distigmin nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt eingenommen werden, da keine systematischen Untersuchungen vorgenommen wurden und der Erfahrungsumfang sehr gering ist. Bei der Myasthenia gravis kann Pyridostigmin als Alternative angewendet werden.
In der Stillzeit sollte Distigmin ebenfalls nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt angewendet werden, da auch hier keine systematischen Untersuchungen vorgenommen wurden und der Erfahrungsumfang ebenfalls gering ist. Pyridostigmin ist auch in der Stillzeit eine Alternative zur Behandlung der Myasthenia gravis.

Autor
Thomas Hofko
Student der Pharmazie
Thomas Hofko befindet sich im letzten Drittel seines Bachelorstudiums der Pharmazie und ist Autor und Lektor für pharmazeutische Themen. Er interessiert sich besonders für die Bereiche Klinische Pharmazie und Phytopharmazie.
Redaktionelle Grundsätze
Alle für den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von geprüften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universitäten). Dabei legen wir großen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.