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Hydroxocobalamin oder auch Vitamin B12a wird zur Behandlung von Vitamin-B12-Mangel und bei Vergiftungen mit Blausäure als Gegengift eingesetzt.
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Grundlagen
Hydroxocobalamin oder auch Vitamin B12a ist ein synthetisch (im Labor hergestellt) hergestellter Wirkstoff des Vitamins B12. Es ist mit dem Cyanocobalamin, also Vitamin B12, verwandt, besitzt aber eine höhere Eiweißbindung und hat somit eine bessere Depotwirkung. Depots haben den Vorteil, dass sie im Körper gespeichert werden (Depot) und ohne weitere Verabreichung (Applikation) immer wieder kleine Mengen des Wirkstoffes in den Blutkreislauf abgeben.
Hydroxocobalamin gehört zur Gruppe der Cobalamine, welche ihren Namen dem Cobalt-Atom in ihrer Molekülstruktur verdanken. Hydroxocobalamin hat eine tiefrote Farbe, ist kristallin (kristallbildend) und hat wasseranziehende (hygroskopische) Eigenschaften. Hydroxocobalamin ist wie die anderen Vitamine der B-Gruppe wasserlöslich und enthält als zentrales Atom Cobalt. Es wird zur Behandlung von Vitamin-B12-Mangel und als Gegengift (Antidot) bei Blausäurevergiftungen eingesetzt.

Jedes Cobalamin besteht aus einem Cobalt-Atom, 5 Stickstoffatomen und einem austauschbaren Atom, welches namensgebend für das Cobalamin ist. Im Falle von Cyanocobalamin ist es eine Cyanogruppe (R-CN), im Falle des Hydroxocobalamins eine Hydroxygruppe (R-OH). Bei der Vergiftung durch Blausäure, auch Cyanwasserstoff (H-CN) oder Cyanid genannt, wird die Cyanogruppe (CN) der Blausäure an das Cobalamin gebunden und gleichzeitig die Hydroxygruppe (OH) des Hydroxocobalamins abgespalten. Man erhält dann das unschädliche Cyanocobalamin (Vitamin B12). Die abgespaltene Hydroxygruppe (OH) des Hydroxocobalamins bildet mit dem übrig gebliebenen Wasserstoff (H) der Blausäure das unschädliche H2O, also Wasser.
Wirkung
Hydroxocobalamin ist ein Prodrug, also ein Wirkstoff, der inaktiv vorliegt und erst im Körper, nach Umwandlung, in die aktive Form überführt wird. Es wird im Körper zu Methyl-Cobalamin und 5-Desoxyadenosylcobalamin umgewandelt. Beide sind aktive Formen von Vitamin B12 und können in dieser Form im Körper gespeichert werden.
Hydroxocobalamin wird im Gastrointestinaltrakt aufgenommen (absorbiert), speziell im unteren Teil des Ileums (Teilabschnitt des Dünndarms). Es wird in der Leber gespeichert und wird über den Urin ausgeschieden.
Vitamin B12 ist ein zentraler Baustein im Stoffwechsel. Es wird bei der Blutbildung (Hämatopoese), bei der Zellteilung, der Myelinbildung (einer Isolierschicht der Nervenzellen im Gehirn) und bei der Nukleinsäuresynthese (Synthese der Bestandteile der menschlichen DNA) benötigt.
Hydroxocobalamin wird eingesetzt zur Behandlung von Vitamin-B12-Mangel, bei Leistungsschwäche, Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Es wird als Salbe zur Behandlung der Schuppenflechte (Psoriasis), als Nahrungsergänzungsmittel und als Gegengift bei Blausäurevergiftungen verwendet. Hydroxocobalamin ist in Fleisch, Fisch, Eiern und Milch enthalten.
Bei Blausäurevergiftungen wird die Blausäure an das Hydroxocobalamin gebunden und dann über die Niere ausgeschieden. Blausäurevergiftungen kommen hauptsächlich bei Rauchgasvergiftungen zu tragen, speziell bei Bränden in geschlossenen Räumen.
Hydroxocobalamin ist im Körper für die Bildung von Methionin verantwortlich. Methionin wird für die Produktion (Synthese) der DNA und RNA Bausteine Adenin, Guanin und Thymidin verwendet. Fehlt Hydroxocobalamin, so kommt es zu einem Mangel von diesen Bausteinen und dadurch zu einer gestörten Zellteilungsaktivität im Knochenmark. Das führt zum Fehlen diverser Blutzellen, wovon man den Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) am stärksten merkt.
Dosierung
Nehmen Sie Hydroxocobalamin immer genau wie in der Packungsbeilage beschrieben bzw. genau nach Absprache mit Ihrem Arzt ein.
Der empfohlene Tagesbedarf für Erwachsene liegt bei 3 mcg täglich.
Die übliche Dosis zur Behandlung der Blausäurevergiftung liegt bei 5 g i.v. (also Verabreichung über die Vene) bei Erwachsenen innerhalb von 25-30 Minuten.
Bei einer Blausäurevergiftung bei Kindern sind 70 mg/kg Körpergewicht empfohlen.
Nebenwirkungen
Es kann zu folgenden Nebenwirkungen kommen:
| Organsystem | Nebenwirkungen |
| Gastrointestinaltrakt | Schluckbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Magenschmerzen |
| Atmungsorgane | Atemnot (Dyspnoe), Brustbeschwerden, trockener Rachen, Engegefühl im Halsbereich und Pleuraergüsse |
| Blutbild | gesteigerte Produktion roter Blutzellen (Polyzythämie); Mangel an Eisen, Folsäure und Kalium |
| Allergische Reaktionen | Schwellungen der Augen und der Zunge, Schleimhautschwellungen im Nasen- und Rachenraum, Bläschbildung der Haut und Entzündungen im Bereich der Applikationsstelle (also dort, wo das Medikament verabreicht wurde) |
| Sonstige betroffene Organe | Kopfschmerzen, Schwindel, Gedächtnisstörungen, Rotverfärbung der Haut und des Urins (beide reversibel) |
Wechselwirkungen
Bei gleichzeitiger Einnahme von folgenden Arzneimitteln können Wechselwirkungen auftreten:
- Medikamente zur Behandlung der Zuckerkrankheit (Antidiabetika) vom Biguanidityp z.B. Metformin können die Aufnahme von Hydroxocobalamin beeinflussen
- p-Aminosalicylsäure kann die Aufnahme von Hydroxocobalamin beeinflussen
- Alkoholmissbrauch kann den Hydroxocobalaminspiegel erniedrigen
Allgemein sollte Hydroxocobalamin nicht zeitgleich mit anderen Medikamenten eingenommen werden, da andere Wirkstoffe die Aufnahme von Hydroxocobalamin in den Körper hemmen können.
Gegenanzeigen
Hydroxocobalamin darf in folgenden Fällen nicht eingenommen werden:
- bei Allergie gegen Hydroxocobalamin
- bei der Leber’schen Optikusatrophie
Altersbeschränkung
Hydroxocobalamin kann ab dem vollendeten 1. Lebensjahr verabreicht werden.
Schwangerschaft & Stillzeit
Hydroxocobalamin kann sowohl in der Schwangerschaft als auch in der Stillzeit eingenommen werden. Es sind keine erbgut- oder fruchtschädigenden Wirkungen bekannt. Hydroxocobalamin tritt in die Muttermilch über.
Geschichte zum Wirkstoff
1926 wurde Vitamin B12 zum ersten Mal beschrieben. Dorothy Crowfoot Hodgkin klärte kurz darauf dessen chemische Struktur auf, wofür sie 1964 den Nobelpreis für Chemie erhielt. Die erste Totalsynthese erfolgte durch Albert Eschenmoser und Robert B. Woodward. Vitamin B12 ist ein sehr großes Molekül und gilt bis heute als eines der größten, die je totalsynthetisiert wurden.

Autor
Thomas Hofko
Student der Pharmazie
Thomas Hofko befindet sich im letzten Drittel seines Bachelorstudiums der Pharmazie und ist Autor und Lektor für pharmazeutische Themen. Er interessiert sich besonders für die Bereiche Klinische Pharmazie und Phytopharmazie.

Lektor
Mag. pharm. Stefanie Brandauer
Pharmazeutin
Stefanie Brandauer ist seit 2020 freie Autorin bei Medikamio und studierte Pharmazie an der Universität Wien. Sie arbeitet als Apothekerin in Wien und ihre Leidenschaft sind pflanzliche Arzneimittel und deren Wirkung.
Redaktionelle Grundsätze
Alle für den Inhalt herangezogenen Informationen stammen von geprüften Quellen (anerkannte Institutionen, Fachleute, Studien renommierter Universitäten). Dabei legen wir großen Wert auf die Qualifikation der Autoren und den wissenschaftlichen Hintergrund der Informationen. Somit stellen wir sicher, dass unsere Recherchen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
